Zweiter Versuch
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Diesmal fiel die Wahl auf einen Pensionsstall, nicht etwa weil ich Boxenhaltung besonders gut finde, sondern einfach weil es nicht einfach ist einen Ekzemer zwei- dreimal am Tag zu versorgen, wenn man zwei kleine Kinder und kein Auto hat ;-)
Ich beschreibe jetzt mal kurz, auf was ich achten mußte und wollte bei der Suche:
Die Einzäunung muß Shettygerecht sein, denn Nicky ist nur knapp 1,10m groß und hat eigene Vorstellungen von Grenzen. Normale Pferdeboxen, also oben Gitter unten Holz sind für Ponys in Nicky’s Größe ein dunkler Kasten aus dem sie nicht einmal hinausschauen können. 24h Weide sind für ein Shetty nicht wünschenswert, für einen Zwerg mit Sommerekzem also schon gar nicht. Ohne Unterstellmöglichkeit im Freien ist der Aufenthalt nur ausserhalb der Hauptflugzeiten der Mücken machbar. Genügend Auslauf auch im Winter. Einschmieren mit Insektenschutz, rein- und rausbringen würde ich selbst machen, allerdings kann ich ihn ja nicht in einen leeren Stalltrakt bringen und dort wegsperren, dann hätte ich ihn auch am Haus lassen können, Alleinsein war ja der Grund ...

Als erstes checkten wir also den Stall auf eben diese Punkte ab und die meisten Ställe fielen schon deshalb aus der Wertung, weil die Pferde 24h auf der Weide stehen und Nicky somit 2-3 Std. mit den anderen hätte laufen können, dann aber wieder allein im Stall gestanden hätte.
Dann fand sich aber ein Stall, der ok zu sein schien, allerdings erwarteten uns wieder verschiedene Überraschungen im Laufe der Zeit dort.
Aber dazu später mehr. Erstmal schien alles ok, Nicky stand zusammen mit Pirelli auf einem abgefressenen Stück und konnte somit auch lange draussen sein, mußte nicht vorher rein. Die Weiden gaben eh nicht mehr viel her, also brauchte ich mir erstmal keine Sorgen über zuviel Gras machen... In dem Stall wurde Hafer gefüttert vom Stallbesitzer. Wir sagten also gleich, daß Nicky keinen Hafer bekommen sollte und der Große auch nur ein wenig, weil er davon ein wenig zu hektisch wurde. Ok, kein Problem...bis zu dem Tag, an dem ich mich wunderte, warum Nicky so stark scheuerte....und dann Haferreste in seinem Trog fand. Ein Gespräch mit dem SB folgte... “Der guckt mich immer so traurig an und es schmeckt ihm so gut...” Ich war sprachlos... ich sagte ihm noch einmal nachdrücklich, daß Nicky auf Hafer stark reagiert und er KEINEN HAFER bekommen darf ! Ich dachte das Thema sei nun erledigt. Aber denkste...Damit Nicky auch etwas bekommt, wenn die anderen Hafer bekommen, hatten wir Möhren bereitgestellt. Abgesehen davon, daß sich viele andere Pferde(besitzer) auch über die Möhren gefreut haben kamen wir eines Tages zum Stall und Nicky marschierte auf der Stallgasse herum, der SB war auch anwesend und erklärte er lasse Nicky nach der Fütterung immer auf die Diele, der frisst dann immer den Hafer, der beim Füttern neben die Tröge gefallen sei *aarghh* Ich war so unendlich sauer und fassunglos. Warum nur ? Ich wunderte mich unerdessen schon wieder warum Nicky noch immer scheuert, es war immerhin schon Ende November. Ich wurde wirklich böse und machte den SB ein weiteres Mal darauf aufmerksam, daß er Nicky mit Hafer wirklich keinen Gefallen tut :-( Die Konsequenzen dieser idiotischen Aktion hatte Nicky dann noch bis Mitte Dezmeber zu ertragen, dann war das endlich überstanden. Ungefähr zu dieser Zeit wurde auch unser Großer immer merkwürdiger... Warum nur ... Nicht nur, daß er kopfscheu wurde, nein, er magerte ab und war sehr hektisch. Hm, nach einigem Fragen und Beobachten waren wir schlauer. Der SB ist schon über 70 Jahre alt, eigentlich nicht unbedingt ein Problem, nur um mit den Pferden umgehen zu können nahm er immer seine “Pitze” mit, wie er sie nannte. Seine Pitze ist eine am Ende gebrochene und zerborstene alte Gerte. Also jeden Tag beim Rausbringen und Reinholen und wenn ein Pferd schneller lief, als ein 70jähriger bekam es mit der Pitze eins auf die Nase... *ohne Worte*. Die Haferration, die abgesprochen war wurde deutlich überschritten, dafür die Rauhfutterration stark gekürzt. Wir kauften also Heukobs dazu, Rübenschnitzel, Leinsamen, haferfreies Kraftfutter sowieso und fuhren den gesamten Winter über jeden Tag zum Füttern hin. Es gelang uns nicht die Situation entscheidend zu verbessern, da die Rauhfutterration einfach zu knapp war. Kein Stroh, nur ein wenig Heu reichten nicht aus. Die Heukobs gab der SB ihm, aber ständig konnten wir uns Kommentare dazu anhören, daß nichts über Hafer geht, der ganze andere Mist ist nichts und der “arme Pirelli” muß diesen Mist fressen, den er doch gar nicht mag und so traurig guckt, wenn die anderen ihren Hafer bekommen. Verdammt, er bekam ja auch Hafer aber eben nicht nur, denn nach Rücksprache mit dem Vorbesitzer waren wir ganz sicher, daß er nicht mehr haben darf, denn er sollte ja nicht wieder als Hochleistungssportler an den Start und auf zuviel Hafer reagiert er eben so, aber 60 Jahre Erfahrung waren wertvoller als alle unsere Aussagen. Wir versuchten also nach vielen erfolglosen Gesprächen mit dem SB die Heuration selbst zu erhöhen, gaben ihm zweimal am Tag eine Extraportion bevor wir fuhren. Der Zufall half uns zu erkennen, daß der SB, nachdem wir weg waren das Heu wieder aus der Box holte *staun* So sind wir den Rest des Winters über jeden Tag geblieben, bis Pirelli aufgefressen hatte, was er nunmal als ausgewachsenens Pferd braucht, nämlich 1kg Heu pro 100kg Lebendgewicht, besser noch 1,5kg, aber daran war in dem Stall gar nicht zu denken.
Zeitgleich stellten wir immer häufiger fest, daß die Pferde nicht mehr auf die Weide gebracht wurden. Wenn es regnetet meinte der SB es wäre nicht ok für die Pferde, wenn es schneite oder Temperaturen unter null Grad erreicht wurden sowieso nicht. Allerdings wurde uns doch gesagt, daß die Pferde jeden Tag rauskämen, als wir uns den Stall angesehen hatten. Es hieß: “Jeden Tag mindestens in der Zeit, wenn die Ställe gemacht werden sind die Pferde draussen.” Jetzt im Nachhinein betrachtet stimmt das irgendwie auch, war also nicht gelogen ;-) Denn während der SB eine Scheibe Stroh in jede Box warf waren die Pferde auf der Gasse und bekamen dort ihre Heuration direkt vom Rundballen, also eben das, was ein Pferd in 15 Minuten frisst. Draussen ist also ausserhalb der Box, eine neue Definition, die ich sicher nie vergessen werde, wenn mir jemand sagt die Pferde seien draussen. Wir brachten unsere trotzdem raus an die frische Luft und jedesmal hieß es dann grinsend: “Naja, der Tierarzt muß ja auch was zu tun haben.” Dazu nur eines: Unsere Pferde waren den gesamten Winter über nicht einmal erkältet ;-) Bei Schnee und Eis bekamen sie Decken, ansonsten durften sie so raus und freuten sich. Allerdings fuhren wir jetzt nicht mehr nur zum Füttern hin, sondern auch zum raus- und reinbringen *schluck*, bezahlt haben wir aber Vollpension inkl. Misten und allem anderen. Womit wir auch gleich beim nächsten Problem wären: Das Misten. Es wurde nicht wirklich oft gemistet, die Matratze war inzwischen bei vielen Pferden so hoch, daß ich dachte sie klettern über die Gitter, so misteten wir schon länger selbst regelmäßig. Jeden Tag kam eine Handvoll frisches Stroh dazu und ein paar Äppel wurden rausgesammelt. Nichts gegen Matratzenhaltung im Allgemeinen, auch wenn ich kein Freund davon bin, aber das was uns jeden Tag erwartete ist schwer zu beschreiben. Eine Scheibe neues Stroh wurde mitten in die Box geschmissen mit dem Argument das verteilen die Pferde selber, beim drehen in der Box. So enstand eine sehr unebene Matratze mit gravierenden Höhenunterschieden . Die Tatsache, daß wir selber ausmisteten wurde nicht gern gesehen, denn wir verbrauchten zuviel Stroh...
Als wir einmal in den Stall kamen während gemistet wurde, also eine Matratze komplett aus der Box entfernt wurde traf uns mal wieder fast der Schlag. Zwei Trecker auf der engen Diele im gechlossenen Stalltrakt, die Luft unerträglich von den Abgasen der zwei laufenden Motoren verpestet, dazu der Lärm. Ihr könnt nicht verstehen, was mich so aufgeregt hat ? Vielleicht sollte ich erwähnen, daß die Pferde in ihren Boxen standen währenddessen *nocomment*

Jetzt noch zum Wasser im Winter. Der Winter 2002/2003 war z.T. heftig, denn es waren alle Leitungen eingefroren, so hatten die Pferde kein Wasser in den Boxen, wir stellten also Eimer zur Verfügung, damit die Pferde in den Boxen trinken konnten, leider mußten wir diese selbst füllen, aber das allein war weniger das Problem. Auf der Gasse wurden für die Pferde Wannen mit Wasser zur Verfügung gestellt, zweimal täglich kamen die Pfede auf die Gasse und konnten trinken, dazwischen gab es nichts. Die Pferde tranken hastig das oft eiskalte Wasser und mich wundert noch heute, daß es nicht vermehrt zu starken Kolliken kam. Eine Einstallerin, die ihre Pferde schon länger dort stehen hat sagte mal zu mir: Im Sommer ist hier alles gut, im Winter ist das leider immer so...
Für uns war längst klar, daß wir hier niemals noch einen Winter bleiben wollten (auch keinen Sommer;-)), denn den Pferden zuliebe deckten wir morgens nun die meisten Pferde ein, brachten fast alle mit Einverständnis der Besitzer auf die Weiden und holten alle brav wieder rein, fütterten dann nochmal und tränkten die Pferde. Komisch, wir konnten uns nicht erinnern dort eingestellt worden zu sein als Pferdepfleger, irgendwie war es doch eigentlich andersherum gedacht gewesen und das fatalste ist an solch einer Situation: Man zahlt viel Geld für den “Service”. Und ich Dummkopf dachte immer Selbstversorger zahlen weniger ;-)

Abschließend möchte ich noch hinzufügen, daß ich den SB und auch seine Frau trotz alledem mag, einfach weil ich vieles inzwischen besser verstehe. Nicht immer in unserer Gesellschaft läuft es so, wie es laufen sollte und Menschen fallen durch’s Raster, müssen sich selbst helfen, somit entstehen Situationen wie diese.

Außerdem gab mir dieser Stall die Gelegenheit Nicky in einer großen Herde zu erleben, ihn herumtoben zu sehen und einfach zu erfahren, daß es richtig war aus dem Offenstall am Haus auszuziehen und ihn ganz Pferd sein zu lassen, denn er liebt nichts mehr, als andere zu ärgern und herauszufordern, mit ihnen zu toben. Seit dieser Erfahrung sehe ich den Zusammenhang zwischen Sommerekzem und psychischen Aspekten noch klarer und bin mir wirklich sicher, das nicht allein eine Allergie oder ein Mangel oder sonstige physische Begebenheiten Teil des Puzzles sind, sondern das einfach Trauer und Frustration beim Pferd Mitauslöser und Faktor sind.