Azidose - Übersäuerung
Azidose
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Die Azidose (Übersäuerung) spielt auch beim Pferd eine immer grösser werdende Rolle. Ich möchte versuchen hier auf den Zusammenhang zum Sommerekzem aufmerksam zu machen.

Der Säure-Basen-Haushalt spielt die entscheidende Rolle bei der Azidose. Vereinfacht ausgedrückt entsteht dabei ein Überschuss an Säuren, der durch die vorhandenen Basen nicht mehr ausgeglichen werden kann. Es entsteht ein Säureüberschuss, der zu Übersäuerung des gesamten Organismus führen kann. Die Situation entsteht also hauptsächlich durch die angebotenen Futtermittel, die leider zwangsläufig durch sauren Regen, Überdüngung der Böden und andere Faktoren beeinflusst werden. Somit ist diese Seite nicht aufzufassen als Angriff gegen den Pferdebesitzer wegen falscher Fütterung, sondern soll vielmehr aufmerksam machen auf die Probleme bei der Fütterung im Grunde völlig natürlicher Futtermittel wie Gras, Heu, Getreide und Fertigfuttermittel.

Damit erstmal zu den Ursachen einer Übersäuerung:
Meist liegt entweder ein Mangel an Basen und Basenbildnern vor oder ein Überschuss an Säurebildner in der Nahrung. Ausserdem können verschiedene andere Faktoren eine Azidose begünstigen. Im folgenden sind nur diejenigen Faktoren genannt, die nicht krankheitsbedingt sind, also keine organische Ursache haben:
- chronisches Eiweissüberangebot (zuviel Kraftfutter bei zu wenig Arbeitsleistung)
- akutes Eiweissüberangebot (Wechsel von Trocken- auf Grünfütterung)
- Hunger/Diät (dabei greift der Körper seine Eiweissdepots an)
- Basenmangel in der Nahrung
- schlecht belüftete Ställe = Sauerstoffmangel
- Lokaler Sauerstoffmangel durch Durchblutungsstörungen (Zeichen: Anschwellen der hinteren, unteren Extremitäten an Stehtagen, zumeist wegen mangelnder Bewegung)
- Körperliche Schwerarbeit (Erschöpfung der Elekrolytreserven und der Puffersysteme durch Muskelarbeit und Schweißverluste, z.B. bei Distanzritten, Militarys)

Wie funktioniert der Säure-Basen-Haushalt ?
Vereinfacht ausgedrückt neutralisieren die vorhandenen oder aufgenommenen Basen die Säuren, somit können diese ausgeschieden werden.
Im Magen wird Bikarbonat gebildet, das wiederum durch das Blut in die basenbildenen Organe abgegeben wird. Die Niere filtert das Bikarbonat zurück und gibt dabei Säure ab. Bei zu starker Übersäuerung kann die Niere nicht mehr richtig arbeiten, ihre Funktionsfähigkeit wird eingeschränkt. Wird im Körper mehr Säure gebildet, als ausgeschieden werden kann, wird sie im Bindegewebe eingelagert. Dies verursacht anfangs keine Krankheitserscheinungen. Die Lunge gibt ausserdem überschüssige Säure über die Atemluft als Kohlensäure in die Aussenluft ab.

Was dann geschieht...
Der Körper hat bei einer Übersäuerung zwei Möglichkeiten: Er lagert sie im mesenchymalen Bindegewebe ein oder er versucht sie über Notventile loszuwerden.
Neben vielen anderen gehören zu diesen Notventilen auch ekzemtypische Erscheinungen wie Schweifscheuern und Hautjucken.

Symptome einer Azidose:
Neben vielen klinischen Symptomen fällt bei übersäuerten Pferden oft ein nicht pferdischer strenger Geruch der Einstreu und des Pferdes selbst auf, auch zu bemerken an Satteldecken und Decken.

Der Zusamenhang zum Sommerekzem und anderen Allergien:
Oft liegt bei typischen SE - Symptomen eine Übersäuerung vor. Damit handelt es sich weniger um eine allergische Reaktion, sondern vielmehr um Anpassungsschwierigkeiten an die Fütterung. Eine zu eiweissreiche und kohlenhydratreiche Fütterung führt zu einem Mangel an Pufferbasen, damit wird die Azidose begünstigt. Eine knappe Fütterung mit reichlich Heu und Stroh kann bereits eine Heilung herbeiführen.
Verschiedene andere Maßnahmen können eine beginnende oder bestehende Azidose heilen. Allerdings ist dies hier nicht der Ort für Therapievorschläge. Es gibt verschiedene Mittel, wie Alkatop, Bikarbonatfütterung oder -infusion, die eingesetzt werden können, aber dazu wendet Euch bitte an Euren TA oder THP oder schaut mal im Forum bei agrar. de in der Ekzemerbox vorbei. Mir fehlt das Wissen und die Erfahrungen um hier munter Behandlungsmögichkeiten zu nennen, ich möchte lediglich. auf den Zusammenhang hinweisen.

Bei Allergien verhält es sich ähnlich. Ein saures Millieu begünstigt jede Allergie. Somit hilft eine basenreiche Fütterung zumindest die Reaktionen weniger stürmisch verlaufen zu lassen. Wertmann/Kranebitter schreiben dazu in Acta Biologica, 1/1992, S.20: “Die benötigte Allergenmenge wird um so kleiner je saurer und/oder histaminreicher das Gewebe bzw. die Nahrung ist”. Somit lässt sich die Allergentoleranz durch eine reichliche Basenzufuhr recht einfach erhöhen.