Neisti - ein Isländer mit SE
Neisti
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Im Frühjahr 1999 kaufte ich den damals 11-jährigen  Isländer Neisti. Er stammt aus Island, lebte aber bereits seit fünf Jahren in Deutschland in einem relativ mildenTeil des Schwarzwalds. Bis dahin hatte er kein Sommerekzem gehabt. Allerdings teilte mir die Vorbesitzerin mit, dass er im Winter 98/99 eine Pilzinfektion gehabt hatte. Außerdem fielen mir große Schuppen in der Mähne auf. Am 1. April kam er zu mir in einen Stall im 650 m hoch gelegenen Bodensee-Hinterland. Nach ca. 3 Wochen fing er an sich zu kratzen und zu scheuern und wurde ausgesprochen unleidig. Einmal beobachtete ich, wie er sich platt auf den Boden legte und sich so am Bauch kratzte. Da ich auch reiterlich mit ihm ziemlich Schwierigkeiten hatte, stellte ich ihn in einen Isländerstall an den Hochrhein. Die Stallbetreiber sagten sofort, dass Pferd habe Sommerekzem und sei viel zu mager. Meine Tierärztin bestätigte die Diagnose.

Die geografische Lage war zwar deutlich schlechter, doch der Isländerstall war für einen Ekzemer deutlich geeigneter. Im Stallgebäude selber waren so gut wie keine Kriebelmücken. Es war Tag und Nacht offen, und die Pferde wechselten zwischen Paddock und Stall, wie sie wollten. Jeden Morgen kamen sie drei bis vier Stunden auf die Weide.

Es ging dort Neisti zwar besser, vor allem fühlte er sich in der großen Isländer-Herde sichtlich  wohler als in der kleinen Pony-Herde ohne Isländer, doch er hatte viele Scheuerstellen auf der Kruppe, an den Hüfthöckern, an den Ohren, in der Mähne am Schweif.  Die Bauchnaht war ständig offen. Ich war darüber so schockiert, dass ich damals keine Fotos machte. Neisti wurde aufgepäppelt. Wegen eines ebenfalls festgestellten Selenmangels erhielt er ein Selen-Vitamin E-Präparat. Das Ekzem versuchte ich mit verschiedenen Cremes, Ölen und Lotionen und mit Masterhorse Algenpro  zu behandeln. Equisan half kurzfristig, aber es trocknete die Haut so aus, dass sie rissig wurde und wieder juckte. Ein bisschen Erleichterung verschaffte ihm die regelmäßige Verwendung von Insektensprays. Die ständig trockene und immer wieder rissige Haut schmierte ich mit Olana Hautmilch für die trockene Haut von Aldi und Florena Hautcreme ein. Sie wurde dadurch weich und elastisch; und sie juckte immerhin ohne Insektenstiche nicht.

Herbst und Winter kamen. Im September ließ ich mein Pony gegen Pilz mit Insol Dermaphyton impfen, in der Hoffnung den Pilz und vielleicht auch das Sommerekzem zu verhindern. Die Wunden heilten ab, die teilweise abgescheuerte Mähne wuchs nach, doch auf der Kruppe blieben zwei hartverhornte haarlose Stellen. Ich nannte sie immer nur die Mottenlöcher. Im Winter nutzte ich die Zeit, um mich umfassend über das Sommerekzem zu informieren.

2000

Viele andere Pferde im Stall bekamen im Winter Pilz, und ich dachte schon, Neisti bleibe wegen der Impfung verschont. Doch Ende Februar hatte auch er eine Stelle unter dem Schopf. Mit regelmäßigem Waschen mit Betaisodona Waschlotion verschwand sie allerdings schnell wieder. Ab Anfang März fütterte ich Hesta Mix Classic von St. Hippolyt, pro Tag 500g, wie es in der Broschüre stand, um den Ausbruch des Ekzems zu verhindern. Gleichzeitig nahm ich mir vor, wenn es nichts hilft, kaufe ich eine Decke. Doch das Ekzem ließ sich davon nicht beeindrucken, und ich kaufte Anfang Mai eine Ekzemer-Decke von Reitsport Zillke. Da ich aber eingetütete Ponys unnatürlich fand und finde, deckte ich ihn nicht tag und nacht , sondern nur von den frühen bis zu den späten Abendstunden ein. Meine freundlichen Stallbetreiber nahmen sie zwischen 23.00 und 24.00 Uhr wieder ab. Gegen stechende Insekten verwendete ich Schaette Bremsenfrei N und an besonders schlimmen Tagen Masterhorse Insektenöl. Neisti ging es erstmals seit Ausbruch des Ekzems deutlich besser. Alte Stellen heilten ab und es gab viel weniger neue. Doch die "Mottenlöcher" blieben und da und dort gab es noch, allerdings wesentlich kleinere, Scheuerstellen. Im Juni zog der ganze Isländerreiterhof um, wieder in das Bodensee-Hinterland auf 650m Höhe, auf einen Hof, weit weg vom nächsten Bach, in freier windiger Lage mit relativ wenig  Ungeziefer. Im Juli auf der Eurocheval unterhielt ich mich lange mit Dr. Katharina Möbius von der Fa. Lexa FX Scheule. Schließlich kaufte ich einen Eimer Lexa Dermafit und Lexa Kräutermineral. Die Futterzusätze bewirkten in erster Linie ein wunderbar glänzendes Fell und eine raschere Wundheilung. Und.... die Mottenlöcher verschwanden endlich nach mehr als einem Jahr. Die Fütterung mit Hesta Mix gab ich Ende Juli auf, denn es hatte keinen bessernden Einfluss auf das Ekzem gehabt. Ende  August bekam Neisti regelrechte Kratzattacken und scheuerte sich dabei innerhalb von zwei Stunden ein großes Stück Mähne ab. Diese Kratzattacken wurden so schlimm, dass mir meine Tierärztin das Antihistaminicum Zyrtec für Menschen empfahl. Damit hörten die Kratzattacken ca. 20 Minuten nach dem Einnehmen auf. Wenn ich bei stabiler Hochdrucklage an warmen Altweibersommertagen (ein wunderbares Wetter, das wir oft bis Ende Oktober haben) die Kriebelmückenattacken vorhersah, gab ich ihm auch schon mal vorbeugend Zyrtec. Und wieder ließ ich Neisti mit Insol Dermaphyton impfen. Und wieder bekam Neisti eine Pilzinfektion im Winter, allerdings deutlich früher und sie ließ sich wesentlich schlechter bekämpfen. Das verordnete Mucophyt wirkte schlecht. Schließlich kaufte ich Clotrimazol-Salbe für Menschen. Damit verschwanden zwar die behandelten Pilzstellen an einer Stelle, dafür gab es an einer anderen neue. Erst mit dem Frühlingswetter und dem Fellwechsel verschwand dieser Pilz endgültig.

2001

Diesmal fütterte ich ab Mitte Februar Lexa Dermafit nach Vorschrift an, Lexa Kräutermineral hatte ich auch den ganzen Winter über gegeben. Inzwischen hatte ich gelesen, dass melassehaltige Futter und manchmal auch einzelne Kräuter die allergische Reaktion verschlimmern. Deshalb gab ich nun als Kraftfutter St.Hippolyt C'Reals Basic Dynamics, eine Mischung aus Schwarzhafer, Gerste- und Maisflocken ohne weitere Zusätze. Gleichzeitig hatte eine Tierheilpraktikerin eine homöopathische Kur in der Ekzemerbox auf www.koppel.de  vorgestellt. Sie bestand aus einer Vorbereitungskur aus Flor de Piedra, Aloe vera und anschließend Joghurt. Danach folgte die tägliche Gabe von Cardiospermum D 4 ab März durch die ganze Saison durch. Doch trotz der Vorbereitungen mussste ich Neisti ab Ende April in den Abendstunden eindecken. Im Sommer wechselte ich von Kräutermineral zu Weidecobs. Im Spätsommer, als  auch die Morgende relativ warm waren und die Kriebeln auch morgens flogen und bissen, blieb Neisti von ca. 18.00 Uhr abends bis ca. 10.00 Uhr morgens eingedeckt. Insgesamt war das Ekzem viel weniger schlimm als in den Vorjahren, schrieb ich am 24. 8. in mein Notizbuch. Auf Anregung der Ekzemerbox machte ich auch mal brauchbare Ekzemerfotos

Doch im September scheuerte er sich wieder zwei Hand breit Stück Mähne weg. Im Oktober hatte er zwar keine offene Haut, aber Mähne und Schweif waren doch erheblich geschändet und an den üblichen Ekzemstellen lösten sich große Schuppen ab.

                  

Die schlimmen Kratzattacken im September waren allerdings auch ohne Antihistaminicum ausgeblieben. An einigen Tagen, an denen ich die "Vampire" erwartet hatte, gab ich ihm vorbeugend Cardiospermum D 2. Das reichte. Im Winter gab es wieder Hautpilz, aber etwas weniger als im Vorjahr.

2002

Neisti hatte, seit ich ihn kannte, einen strengen Geruch. Das fiel vor allem auf, wenn ich seine Decken im Auto transportierte. Mein Auto roch nicht einfach nach Pferd (das tut es immer), sondern es stank so penetrant, dass es sogar Pferdeleute störte. Ich hielt das lange Zeit für Isländer typisch. Nun wird dieser Geruch mit Übersäuerung und  diese mit Ekzem, manchmal auch mit Atembeschwerden in Zusammenhang gebracht. Ich gab ihm deshalb nach Rücksprache mit meiner Tierärztin eine Woche lang NaHCO3 (Natriumhydrogencarbonat). Der Geruch und die Kurzatmigkeit verschwanden.

Ende Februar ließ ich eine Kotprobe untersuchen. Ergebnis: Neisti hatte so gut wie keine physiologische Darmflora, dafür extrem hohe Keimzahlen von Aspergillus, Candida valida und Bierhefe. Das könnte, muss aber nicht mit dem Ekzem zusammenhängen. Vorgeschlagene und durchgeführte Therapie: 24 Tage Nystatin, anschließend Aufbau der Darmflora mit Acidophilus- und Escherischia coli -Bakterien (kann man als Tabletten oder Pulver kaufen). Außerdem sollte Neisti nichts Süßes und keine Weißmehlprodukte fressen, also keine Melasse, keine Äpfel, kein Brot.  Das schwierigste war, ein Mineralfutter ohne Melasse, Birnendicksaft oder Apfeltrester zu finden. Lexa Kräutermineral kam damit nicht mehr in Frage. Ich entschied mich für Marstall Force. Außerdem fütterte ich nach langem Zögern jetzt ganzen Hafer. Dermafit fütterte ich wieder fast über die gesamte Saison, denn es enthält keine zuckerhaltigen Substanzen. Die Kügelchenkur ließ ich weg, um den Erfolg oder Misserfolg der Antipilzkur besser erkennen zu können.

Eine Kontrollkotprobe ergab, dass die Pilze vernichtet waren, die Darmflora zwar vorhanden, aber noch etwas schwach war. Das Ekzem begann wieder Ende April. In dem nasskalten Sommer 2002 war es nicht so schlimm, wie in den Jahren davor. Ich kam mit abendlichen Eindecken aus, im Juli deckte ich überhaupt nicht ein, und im Spätsommer wieder vom frühen Abend bis zum späten Morgen. Zweimal schwollen Mähnenkamm und Schweifrübe an und wurden hart . Beide Male konnte man mit NaHCO3 die Stellen zum Abschwellen bringen.

Vom Ende des Winters bis in den Juni hatte Neisti eine kahlgescheuerte Stelle zwischen Ohren und Augen

Sie wurde als Pilz, schlechtheilende Wunde, in die immer die Haare reinhängen  etc. interpretiert.  Auf jeden Fall ging sie nicht weg, egal wie ich sie behandelte. Erst als auf meinem kleinen Rentnerpony Haarlinge entdeckt und bekämpft wurden, und ich Neisti auch mit Acarid (Wirkstoff Pyrethrum) behandelte, heilte die Stelle ganz schnell ab. In dem Stall mit ca. 40 Pferden wurden übrigens nur 4 Pferde von Haarlingen befallen.

Wie die Jahre davor, scheuerte sich Neisti im Altweibersommer wieder zwei Hand breit Mähne ab, und es gab bis Mitte November große Schuppen, die sich schlecht ablösten, in Mähne und Schweif. Am 24. September fiel bei uns der erste Schnee und damit waren die Kriebelmücken und das Ekzem erstmal verschwunden. Doch Mitte Oktober wurde es für ein paar Tage noch mal richtig warm, und die Kriebelmücken kehrten ein letztes Mal in dieser Saison zurück. Im November fütterte ich nochmal 10 Tage lang NaHCO3, weil Neisti wieder so kurzatmig geworden war, ohne erkältet zu sein.

Im Winter 2002/2003  behandelte ich alle Stellen,  an denen angeblich ein Pilz entstand, mit Mitteln gegen Milben und Haarlinge (Wirkstoff Pyrethrum oder Permethrin). Sie verschwanden jedes Mal innerhalb weniger Tage. Ich nehme an , dass Neisti auch in den früheren Jahren Haarlinge oder Milben hatte, vielleicht eine Pilzinfektion außerdem, und deshalb die Antipilzmittel nichts halfen. In diesem Winter hatte Neisti keinen Hautpilz.

2002 hatte ich keine vernünftigen Ekzemerfotos gemacht. Auf einem Foto von Ende Februar 2003 sieht man jedoch deutlich, dass Neisti wie viele andere Ekzemer die Mähne zwei Hand vor dem Widerrist abscheuert.

 

2003

Im Februar ließ ich erneut eine Kotprobe untersuchen. Ergebnis: Wieder keine physiologische Darmflora, dafür aber hohe Keimzahlen von Aspergillus. Vorgeschlagene und durchgeführte Therapie: Acidophilus-Bakterien in Pulverform sollen über Monate gefüttert werden. Sie sollen Aspergillus verdrängen und eine gesunde Darmflora aufbauen.

Der Winter 2002/2003 war für das Bodenseegebiet ungewöhnlich kalt und schneereich und das darauffolgende Frühjahr sehr trocken. Doch unbeeindruckt vom Wetter waren am 30. März die ersten Kriebelmücken da. Sie  bissen auch schon da und dort, aber Neisti zeigte keine Reaktion. Ich schmierte auf die Stellen mal Zink-Lebertran-Salbe,  mal Olana-Hautmilch und das reichte auch. Mitte April wurden die Stellen größer, und ich hielt sie für Folgen eines erneuten Haarlingbefalls.

Am 22. April regnete es heftig, es wurde schwül und warm. Kriebeln und Schnaken flogen in Scharen durch die Luft und stachen und bissen genervte Pferde. Von da an deckte ich Neisti wieder von den frühen bis zu den späten Abendstunden ein, wie ich es gewohnt war. Doch das Ekzem war deutlich schlimmer als in den Vorjahren! Ich behandelte die Stellen mit verschiedenen Salben. Ich machte einen Versuch mit Halicar-Salbe, die sehr gut juckreizstillend wirkt. Doch wie bei der Geschichte vom Hasen und dem Igel: Wenn eine behandelte Stelle abheilte, entstand woanders schon wieder eine neue.

Noch eine Erkenntnis brachte das Frühjahr 2003: Da es so sehr trocken war, wuchs das Gras schlecht, und die Pferde durften erst am 1. Mai auf die Weiden. Kriebelmücken waren aber schon einen Monat früher da, und das Ekzem begann schon zaghaft Mitte April und heftig am 22. April. Deshalb nehme ich an, dass Gras keine Rolle bei Neistis Ekzem spielt.

Meine Verzweiflung über das deutlich schlimmere Ekzem schrieb ich in die Ekzemerbox im Pferdeforum von www.agrar.de. Dort  fragte Nicole Michaelis, warum ich Neisti nur am Abend und nicht rund um die Uhr eindecken würde. Schließlich hätte ich Decken und würde immer schreiben, wie gut sie helfen. Ich antwortete abwehrend und ausweichend. Kaum hatte ich meine Antwort geschrieben, glaubte ich sie selber nicht mehr. Ab Mitte Mai bis Ende Juni deckte ich Neisti tag und nacht ein. Nur zum Reiten und zum Putzen zog ich ihn aus. Es wurde mir etwas leichter gemacht, denn im Mai hatte ich eine neue Decke von Reitsport Hämmerle gekauft aus einem leichten dünnen Stoff, die mir angenehmer und schöner vorkam als meine alten dicken Zillke-Decken.

Unter der  Decke heilten alle alten Stellen ab und es entstanden keine neuen. Zu meiner großen Überraschung war die Haut nicht mehr trocken und rissig. Anfangs cremte ich die bekannten Ekzemstellen noch zweimal die Woche mit Olana-Hautmilch ein, ließ es aber bald ganz, denn es war nicht mehr notwendig. Das Fell glänzte wie nie zuvor (vermutlich enthielt es endlich die notwendige Menge Fett).

Im Juli deckte ich ihn nur noch von ca. 20.00 Uhr am Abend bis ca. 10.00 Uhr am nächsten Vormittag ein. Auch das funktionierte einwandfrei. Am 31. Juli hatte Neisti eine Scheuerstelle am Schweif. Von da an deckte ich ihn wieder ganztags ein, trotz Temperaturen bis 40°C im heißen Sommer 2003. Und er blieb unbeschädigt bis.....

Am 14. August, nachdem die allergrößte Hitze aufgehört hatte und der Altweibersommer zwar noch zögerlich aber doch schon begann, hatte sich Neisti die Ohren  und eine Stelle am Schweif blutig gescheuert und die Mähne hinter den Ohren toupiert. Ich erwartete die üblichen Schäden im Spätsommer wie in den Vorjahren, doch es kam anders. Die Stellen heilten innerhalb einer Woche mit Halicar-Salbe und Zink-Lebertransalbe ab und es gab keine neuen. Ja es ging so gar so gut, dass ich ab dem 23. August nur noch nachts, und ab dem 1. September überhaupt nicht mehr eindeckte. Warum das so ist weiß ich auch nicht, aber vielleicht bewirkte das der extrem heiße und trockene Sommer in diesem Jahr.

        

 

Die Saison ist noch nicht ganz zu Ende, doch ich hoffe, dass es keine bösen Überraschungen mehr gibt.