Fredy Blaß
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Fredy Blaß
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FredyHP

Alfred (Fredy) Blaß
* 11.05.1924 in Barmen
+ Gefallen im Raum Orscha  im Oktober 1943

Die Suche nach Fredy...
Eigentlich wußte ich im Sommer 2001 nicht mehr als seinen Vornamen: Er wurde Fredy genannt, das hatte mein inzwischen verstorbener Vater mal erzählt. Außerdem hatte mein Opa  meinem Vater immer gesagt Fredy sei das uneheliche Kind seiner Schwester gewesen. So fing die Suche nach Fredy Michaelis an.

Ich begann alte Fotos anzusehen, um mehr über ihn zu erfahren, ich fand eine Karte an einen Soldaten Alfred mit der Feldpostnummer 46856. Mit diesem Fund fiel der Startschuß. Im Internet beim Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge gibt es ein Forum, dort fragte ich nach meiner Feldpostnummer.
Bingo ! Ich lernte gleich zwei sehr hilfsbereite Menschen kennen, ohne die ich Fredy`s Schicksal nie hätte klären können. Thiemo Gaisbauer - von ihm sind auch alle Karten, die ich unter anderem auf diesen Seiten zur Verfügung stellen möchte und Holger Bade - ein Mensch, der sich in der humanitären Hilfe sehr engagiert. Danke !
Inzwischen ist folgendes klar: Fredy war kein uneheliches Kind, er hieß Alfred Blaß, genau wie sein Vater. Seine Mutter, Erna Michaelis hatte seinen Vater noch vor der Geburt geheiratet.
Da Erna Blaß verstarb bei der Geburt und Fredy wuchs bei meinem Opa Wilhelm Michaelis in Barmen auf.
Aber warum? Ich fragte mich, was aus Fredy`s Vater geworden war...und fing an alle Familien mit dem Namen Blaß in Wuppertal anzurufen und ich hatte Glück. Ich fand Fredy’s Stiefbruder, Günther.
Er und seine Frau haben mir sehr geholfen Licht in Fredy’s kurzes Leben zu bringen. Danke !
Fredy’s Vater ging 1928 nach England, 1929 folgte seine zweite Frau. Sie wollten Fredy mitnehmen, aber mein Großvater hat das mit allen Mitteln verhindern wollen und das wohl auch geschafft. Welche Gründe er hatte kann ich nur vermuten, da er später nie darüber gesprochen  hatte. Vielleicht wollte er nicht auch noch seinen Neffen “verlieren” nachdem schon seine Schwester gestorben war, vielleicht war er um Fredy’s Zukunft besorgt, vielleicht aber hatte er ganz persönliche Gründe, denn in diesem Zusammenhang  möchte ich nochmal erwähnen, daß er später meinem Vater immer erzählt hat Fredy sei unehelich geboren...
Fredy bleib also in Deutschland, In England wurde in der Zwischenzeit Günther geboren. 1939 kam Fredy’s Vater mit seiner Familie zurück  nach Deutschland.
Hier lernte Fredy nun auch seine Stiefgeschwister und seine Stiefmutter kennen. Fredy arbeitete als Schlosser und er kam alle häufig nach der Arbeit besuchen.
Dann kam der Wehrdienst. Diese Rekonstruktion ist mit Hilfe der WasT und Thiemo entstanden:

Fredy´s Weg...
Fredy rückte am 15.10.1942 in Dortmund ein. Vorher war er wahrscheinlich, wie üblich, ein halbes Jahr beim RAD. Nach Abschluß einer Lehre oder der Schule wurde man im Alter von ca. 18 Jahren (+/- einige Monate), wenn man sich nicht freiwillig gemeldet hatte, einberufen
 Seine Erkennungsmarke:   Stbttr. S.A.E.A. 62-132-
Dienstgrad:                          Kanonier

Truppenteile:
lt. Meldung vom 15.10.1942:   Stammbatterie schwere Artillerie-Ersatzabteilung (mot.) 62
                                             Beginn der Grundausbildung
lt. Meldung vom 11.12.1942:   4./schwere Artillerie-Ausbildungsabteilung (mot.) 62
                                             Geschützausbildung
lt. Meldung vom 01.01.1943
und vom 10.03.1943:             1./Panzer-Artillerieabteilung 91
                                             Fredy wurde also nach seiner Grundausbildung Anfang 1943 der 1.Batterie zugeteilt
lt. Meldung vom 22.07.1943:  1./Feld-Strafgefangenenabteilung 5
                                             Irgendetwas muß vorgefallen sein, daß Fredy zu dieser, dem Wehrkreis XII
                                            (Wiesbaden) zugehörigen Einheit versetzt wurde. Vielleicht hielt er sich auch für
                                            einige Zeit im Wehrmachtsgefängnis Germersheim auf ?

Inderartigen Einheiten konnte  man dann auf Bewährung (im Falle des besonders tapferen Verhalten im Kampfe) wieder frei kommen. Dass dies meist ein Himmelfahrtskommando war, erübrigt sich zu erwähnen...
Zitat [Seidler, Franz W.: Das Justizwesen der Wehrmacht]: "Für Verurteilte [...] gab es sogenannte "Bewährungseinheiten". In ihnen hatten die Soldaten die Chance, sich unter erschwerten Bedingungen vor dem Feind durch Mut und Tapferkeit auszuzeichnen und die Strafe damit zu tilgen. Viele kamen  dabei um. [...] Diejenigen, die in den Bewährungseinheiten versagten oder während der Bewährungszeit neue “Straftaten” begingen, steckte man in sogenannte Strafbataillone. Dort war die Überlebenschance erheblich kleiner, weil die Männer in partisanenbeherrschten Gebieten oder an die Front ohne Waffen zu Tätigkeiten herangezogen wurden, die mit großer Wahrscheinlichkeit zum Tode führten."

 Diese Einheit war im Unterstellungsverhältnis zur 3.Panzerarmee im Herbst 1943 in Mittelrußland eingesetzt...


Zum Abschluß bleibt noch die Erinnerung seines Bruders :
An einem Tag kamen mehrere Männer der Gestapo und  brachten einen großen Brief, seine Mutter weinte arg, sein Vater war zu dieser Zeit ebenfalls im Krieg. Sie sagte an diesem Tag nichts mehr...
Erst später wurde über diesen Brief gesprochen
Fredy wurde standrechtlich erschossen, wegen Befehlsverweigerung
Er hatte sich geweigert auf Zivilisten zu schießen...

..und so endet Fredy´s Weg im Oktober 1943 auf dem Heldenfriedhof in Orscha, Grabnummer 2924 ....